Archiv für Oktober 2018

Umzug: Ølhafen

Die Wagencrew Ølhafen schreibt:

Nach gescheiterten Verhandlungsversuchen mit der aktuellen Besitzerin (Aurelis) und den zukünftigen Besitzern (Peper&Sohn), ist nun klar, dass unsere Fläche bei der alten Unruh Spedition ab dem 1. November geräumt werden soll. Wir haben entschieden es nicht dazu kommen zu lassen, sondern unser drittes besetztes Gelände zu verlassen.

Stattdessen haben wir ein Angebot für eine vorübergehende Ausweichfläche von offizieller Seite angenommen. Doch einen Tag vor der drohenden Räumung stellte sich dieses Angebot als Luftschloss heraus.

Und mal wieder ist es an uns eine geeignete Fläche zu finden und zu beleben.

Wir freuen uns diese in der Überseestadt, hinter dem Kellogs-Gelände gefunden zu haben. Das Grundstück liegt seit Jahrzehnten brach und es ist nicht absehbar, dass sich daran etwas ändern wird.

Mit einer Träne im Auge verlassen wir deswegen die Neustadt, wo wir von verschiedensten Seiten sehr viel Unterstützung erhalten haben und ziehen ans Wasser.

Wir freuen uns ganz doll über Besuch und über Leute, die Lust haben hier Veranstaltungen zu machen.

Demokratie: Wahlen in Brasilien

Jair Bolsonaro wird Brasiliens neuer Präsident. Auf der Siegerseite stehen dadurch Militär, Rechtsextremismus, christlicher Fundamentalismus, Kapital, Gewalt und Hass. 55 Prozent der gültigen Stimmen wurden für ihn abgegeben. Damit sind 45 Prozent der Stimmen bedeutungslos. So funktioniert Demokratie, sie schafft Gewinner und Verlierer. Die Mehrheit herrscht, aber natürlich nicht die der Wähler und Wählerinnen, sondern ihre paar Repräsentanten. Und sie können ihre Repräsentanten noch nicht einmal abwählen. Aufgabe der Repräsentanten ist es nicht, ein gutes Leben für alle zu ermöglichen, sondern die Interessen der Besitzenden zu wahren, andernfalls ist ihre Karriere kurz.

Der Wirtschaft auf dem ganzen Globus ist es egal, mit und in welcher Regierungsform sie am besten Geschäfte machen kann, Hauptsache der Profit stimmt. Demokratie wird von den Reichen und Mächtigen auch nur akzeptiert, wenn sie in erster Linie ihrem Gott, dem Geld, dient.

„Deutsche Wirtschaftskreise geben sich mit Blick auf den künftigen brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro hoffnungsfroh und verweisen dazu auf das Wirtschaftsprogramm seines Superministers in spe, Paulo Guedes. Guedes wirkte zur Zeit des Militärregimes von Augusto Pinochet als Dozent an der Universidad de Chile; seine Pläne ähneln der Wirtschaftspolitik der chilenischen Militärdiktatur. Bolsonaro, der sich seit rund einem Jahr von Guedes beraten lässt, wird von der brasilianischen Wirtschaft bejubelt, nicht zuletzt vom brasilianischen Partnerverband des BDI, der Confederação Nacional da Indústria (CNI), in der deutsche Unternehmen eine starke Stellung innehaben. Deutsche Konzerne hatten bereits mit der brasilianischen Militärdiktatur kooperiert. Bolsonaros Sieg versetzt der Politik einer vorsichtigen Umverteilung zugunsten verarmter Bevölkerungsschichten den Todesstoß, für die die Präsidenten Lula da Silva und Rousseff standen und die im Kern schon mit dem kalten Putsch vom Mai 2016 beendet wurde – unter dem Beifall deutscher Unternehmer.
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Herrschaftsfreiheit statt Demokratie

Die Vorstellung, Demokratie als Organisationsform zur Überwindung von Herrschaft (170) anzusehen, können wir nicht teilen. „Es gibt keine ‚herrschaftssichere‘ Form institutioneller Demokratie.“ (171) Anschlussfähigkeit geht bei solchen Vorstellungen vor Analyse. Der Libertäre George Woodcock teilt einerseits den Optimismus der ‚Echte Demokratie jetzt‘ Bewegung, bringt andererseits auch den Widerspruch von Demokratie zur Herrschaftsfreiheit auf den Punkt: „Wahre Demokratie kann nicht in einer Gesellschaft des Zwangs existieren. Doch auch wo Demokratie möglich ist, werden Anarchist*innen sie nicht unterstützen, denn sie betrachtet den Willen der Mehrheit als oberstes Gebot.“ (172) Der Rätekommunist Gorter formulierte es so: Das „Brechen mit der … Demokratie bedeutet im Keime schon die … Revolution“ (173).
Eine Gesellschaft, die weder Geld noch Eigentum kennt, die auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist, kann also keine demokratische sein (174). Der positive Bezug auf Demokratie wird allerdings heutzutage fast nie hinterfragt. Basisdemokratie oder Direkte Demokratie sollen Demokratie verbessern. Die einzigen Alternativen scheinen Diktatur und Monarchie zu sein. Das Ergebnis von Demokratiekritik darf aber nicht dazu führen, zu noch herrschaftsförmigeren Ordnungen zurückzukehren.
Demokratien lassen die historischen Erinnerungen und aktuellen Erfahrungen an emanzipatorische Ansätze einer die Menschen selbst befreienden Gesellschaftsstruktur verschwinden. Sie drängen diese bewusst an den Rand der Wahrnehmbarkeit. Das sagt weit mehr über den autoritären Charakter von Demokratie aus, als über diese verdrängten Ansätze, ihr Potential und ihre Grenzen.
Eine Gesellschaft ohne Geld und Eigentum können wir uns nur als eine solidarische, respektvolle und kommunikative vorstellen. Die Menschen werden ihre Bedürfnisse und die gesellschaftliche Re_Produktion gemeinsam in Konsensprozessen organisieren.

siehe unter Texte, aus: Die Befreiung vom Geld und Eigentum … und warum das noch lange nicht reicht, Band 2

Repariert nicht, was euch kaputt macht!

Gegen das bürgerliche Dasein – für das gute Leben!

Streifzüge-Redaktion

1.

Durch die Politik können keine Alternativen geschaffen werden. Sie dient nicht der Entfaltung unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten, sondern in ihr nehmen wir bloß die Interessen unserer Rollen in der bestehenden Ordnung wahr. Politik ist ein bürgerliches Programm. Sie ist stets eine auf Staat und Markt bezogene Haltung und Handlung. Sie moderiert die Gesellschaft, ihr Medium ist das Geld. Sie folgt ähnlichen Regeln wie der Markt. Hier wie dort steht Werbung im Mittelpunkt, hier wie dort geht es um Verwertung und ihre Bedingungen.

Das moderne bürgerliche Exemplar hat die Zwänge von Wert und Geld völlig aufgesogen, kann sich selbst ohne diese gar nicht mehr vorstellen. Es beherrscht sich wahrlich selbst, Herr und Knecht treffen sich im selben Körper. Demokratie meint nicht mehr als die Selbstbeherrschung der sozialen Rollenträger. Da wir sowohl gegen die Herrschaft als auch gegen das Volk sind, warum sollen wir ausgerechnet für die Volksherrschaft sein?

Für die Demokratie zu sein, das ist der totalitäre Konsens, das kollektive Bekenntnis unserer Zeit. Sie ist Berufungsinstanz und Lösungsmittel in einem. Demokratie wird als ultimatives Resultat der Geschichte verstanden, das nur noch verbessert werden kann, hinter dem aber nichts mehr kommen soll. Die Demokratie ist Teil des Regimes von Geld und Wert, Staat und Nation, Kapital und Arbeit. Das Wort ist leer, alles kann in diesen Fetisch hineingegeistert werden.

Das politische System gerät selbst mehr und mehr aus den Fugen. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine Krise von Parteien und Politikern, sondern um eine Erosion des Politischen in all seinen Aspekten. Muss Politik sein? Aber woher denn und vor allem wohin denn? Keine Politik ist möglich! Antipolitik heißt, dass Menschen sich gegen ihre sozialen Zwangsrollen aktivieren.
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Wahlfreiheit

‚Ich hab nicht gewählt‘, sagt das Känguru.
‚Darfste nicht?‘, frage ich.
‚Ich darf nicht und ich will nicht‘, sagt das Känguru.
‚Du willst nicht?‘, frage ich.
‚Ja. Weil das gar keine Wahl ist‘, sagt das Känguru.
‚Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts Fata Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein.‘
‚Ein Wahlschein?‘, frage ich.
‚Das ist, als ob du in den Supermarkt gehst und da wählen kannst zwischen der Tütensuppe von Maggi und der Tütensuppe von Knorr, aber in Wirklichkeit ist alles Nestlé. Der Wahlschein suggeriert Freiheit, aber in Wirklichkeit sage ich dir: Alles Kapitalismus, alles Nestlé, …“

Marc-Uwe KLING: Die Känguru-Chroniken (Orig. 2009; 2010)

Bemerkenswert ist was passiert, wenn der angebliche Souverän, das Volk, falsch wählt. Dazu einige Beispiele.
Die Hamas im Gaza-Streifen wurde demokratisch gewählt. Bei der Wahl im Januar 2006 erschien sie den Menschen als Hoffnung und Alternative zur korrupten PLO. Als demokratisch gewählt wurde die Hamas aber im Westen nie anerkannt. Zu Leiden haben die Menschen seit dieser Wahl einerseits durch die brutalen, militärischen und ökonomischen (Re-)Aktionen Israels und andererseits unter dem gewählten autoritären Regime.
In der Ukraine brachten im Dezember 2004 massive Wahlfälschungen zunächst den geplanten Wahlsieg des autoritären post-kommunistischen Regimes. Die Leute aber hatten die Schnauze voll. Die von extrem vielfältigen Akteuren getragene Orangene Revolution (von Anarch*as über Neoliberale bis zu Nationalist*innen) zwang das autoritäre post-kommunistische Regime zu Neuwahlen. Die Neoliberalen wurden gewählt. Der Westen feierte dies als Sieg der Demokratie. Korruption und die sozialen Folgen der neoliberalen Politik ließen den Stern von Wiktor Juschtschenko und Julija Timoschenko rasch sinken. Ihre Abwahl 2009 wurde als Niederlage der Demokratie kommentiert. Eine Folge dieser falschen Wahlentscheidung der Ukrainer*innen war die politisch motivierte Anklage gegen und Verurteilung von Julija Timoschenko. Der Westen reaktivierte alte Freund-Feindbilder und drohte im Mai 2012 mit politischem Boykott der Fußball-Europameisterschaft.
Immerhin: Verglichen mit manchen falschen Wahlentscheidungen aus Zeiten der Ost-West-Blockkonfrontation ist die Reaktion der demokratischen Regime heute moderat. Das bekannteste Extrembeispiel ist sicherlich der mit massiver Hilfe der USA durchgeführte Pinochet-Putsch 1973 nach dem Wahlsieg des linken Sozialdemokraten Allende in Chile. Auch hier hatte der Souverän falsch gewählt – und das auch noch im Hinterhof der USA. Ähnlich in Nicaragua. Nach dem Sieg der Gueriller*as gegen den Diktator Somoza wählten die Nicaraguaner*innen die Falschen. Die USA organisierten und finanzierten über die Grenze hinweg einen jahrelangen Bürger*innenkrieg, bis die Nicaraguaner*innen endlich die richtigen, rechten Parteien wählten.
Aber auch in den demokratischen Staaten Europas sieht es grundsätzlich nicht anders aus (36). (mehr…)

Staatsgewalt: Diktaturen können noch was von der deutschen Polizei lernen

„Nach Informationen von REPORT MAINZ will die Bundesregierung an dem umstrittenen Ausbildungsprojekt der Bundespolizei in Saudi-Arabien festhalten. Seit 2009 sind Beamte der Bundespolizei in Saudi-Arabien im Einsatz, um das Königreich bei der Modernisierung seines Grenzschutzes zu unterstützen. Die deutschen Beamten trainieren saudische Sicherheitskräfte in grenzpolizeilichen Taktiken. Seit Beginn des Projektes im Jahre 2009 werden von Jahr zu Jahr mehr deutsche Beamte eingesetzt. Ihre Zahl wuchs von 14 Beamten 2009 auf zuletzt 70 Beamte im Jahr 2018. Seit Reporter des ARD-Politikmagazins FAKT das Projekt 2011 aufgedeckt hatten, war der Einsatz der Bundesbeamten in Saudi-Arabien umstritten. Die Bundespolizisten bilden saudische Sicherheitskräfte nicht nur in Passangelegenheiten aus, sondern unterrichteten auch Einsatztaktiken, die zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt werden können…

Seit Jahren geht das saudische Regime gewaltsam gegen Oppositionelle und regimekritische Demonstranten vor. Die Menschenrechtslage in dem Land gilt als katastrophal. Die Bundesrepublik hat keinerlei Einfluss auf den Einsatz der von ihnen ausgebildeten Sicherheitskräfte.

Die Mission der Bundespolizei ist Teil eines milliardenschweren Rüstungsdeals des deutsch-französischen Konzerns Airbus, früher EADS-Cassidian, mit Saudi-Arabien. Der Konzern errichtet eine Grenzsicherungsanlage rund um den Wüstenstaat. Abgewickelt wird das Projekt von Airbus und der GiZ, der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Die ersten sechs Jahre waren die eingesetzten deutschen Beamten noch der saudischen Rechtsprechung, der Scharia, unterworfen.“

https://www.swr.de/report/presse/bundesregierung-haelt-an-polizeieinsatz-in-saudi-arabien-fest/-/id=1197424/did=22716894/nid=1197424/12tqlte/index.html

Frieden schaffen mit Waffen

Am heutigen Donnerstag startet in Norwegen nahe der russischen Grenze das NATO-Manöver »Trident Juncture« mit 50.000 Soldatinnen und Soldaten. Die BundesWehr macht mit rund 10.000 Soldatinnen und Soldaten das zweitgrößte Truppenkontingent aus. Der Militärhaushalt der NATO-Staaten ist 14-mal höher als der der Russischen Föderation.

Die Bundeswehr sei die „größte Friedensbewegung Deutschlands“, meinte 2004 Verteidigungsminister Peter Struck (SPD).
„Die Bundeswehr versteht sich als ein Teil der Friedensbewegung“, erklärte 2013 Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU).
Verteidigungsministerin von der Leyen (CDU) versicherte den Nato-Partnern im Baltikum: „Greift Russland sie an, stehen wir an ihrer Seite.“
Straßen, Brücken, Schienenverbindungen in Europa sind für schnelle Truppentransporte gen Osten teils völlig ungeeignet. Die EU-Kommission möchte 6,5 Milliarden Euro in panzertaugliche Verkehrswege investieren.

„Wir wollen mit unserer Außenpolitik und die Waffenexportpolitik ist da ein wichtiges Element, wir wollen damit Frieden, Stabilität und Menschenrechte befördern.“, sagte der für Rüstungsexporte zuständige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

De Moker – radikale Jugendbewegung (Niederlande 1923 – 1928): Arbeit

Die Gruppe ‚De Moker‘ wurde 1923 von Aktiven des ‚Frije Jeugd Verbond‘ gegründet. Sie formulierten eine radikale Arbeits- und Kapitalismuskritik. Nach der Auflösung der Gruppe blieben viele aktiv in den anarchistischen, antimilitaristischen und Freidenker Bewegungen. Viele von ihnen beteiligten sich an dem Widerstand der Partisan*innen gegen die Nazis während des 2. Weltkriegs, versteckten Jüd*innen oder führten Sabotage-Akte aus.

Herman Schuurman:
„Arbeit ist die grosse Verdammnis. Arbeit macht geist- und seelenlos. Um für dich arbeiten zu lassen, musst du charakterlos sein. Um zu arbeiten, musst du auch charakterlos sein; du musst kriechen und mogeln, verraten, betrügen und fälschen. […] Nicht zu arbeiten bedeutet dann meistens, dass man zum Parasit der Genossen wird, welche arbeiten. Kannst du für deinen Unterhalt – wie es anständige Menschen nennen – mit Raub und Diebstahl aufkommen, ohne dich von einem Chef ausbeuten zu lassen, gut – tue es, aber glaube nicht, dass damit das grosse Problem gelöst sein wird. Arbeit ist eine soziale Qual. Die Gesellschaft ist lebensfeindlich und nur durch die Vernichtung dieser und nachfolgender Arbeitstiergemeinschaften – das heisst durch Revolution nach Revolution – wird die Arbeit verschwinden. Dann erst kommt das Leben – das volle reiche Leben. […] Dann gibt es keine Arbeitszeit, keinen Arbeitsplatz, keine Arbeitslose und Arbeitlose mehr. […] Alle Arbeit ist verbrecherisch. Arbeit ist Beihilfe zum Profitmachen und Ausbeuten; Beihilfe zu Fälschung, Betrug, Vergiftung; Beihilfe zur Kriegsvorbereitung; Beihilfe zum Mord der gesamten Menschheit.“

Utopien: Widerständige Niederlande, 13. Jh.

Das gute Leben:

Wapenen Martijn

„Zwei Worte unser Erdendasein
allein beherrschen: ‚Mein‘ und ‚Dein‘
Tät man sie in Acht und Bann,
Eintracht, Frieden würden bleiben,
Alle wären frei und niemand eigen,
Sowohl die Frau als auch der Mann!
Gemeingut wären Korn und Wein!
Und überm Meere und am Rhein
stirbt keiner schlimmen Todes dann!“

Utopien: Die Digger in der englischen Revolution

siehe unter Texte, aus: Die Befreiung vom Geld und Eigentum … und warum das noch lange nicht reicht
Band 3: Utopien und Versuche der Befreiung vom Geld und Eigentum

Die erste grundlegende These der Digger war, dass Eigentum an Land Raub ist und Herrschaft bedeutet. Winstanley schrieb: „Ich versichere …, dass die Erde geschaffen wurde, um eine gemeinsame Schatzkammer für den Lebensunterhalt aller ohne Ansehen der Person zu sein, und dass sie nicht geschaffen wurde, um gekauft oder verkauft zu werden.“ (926) „Das Schwert führte das Eigentum ein und erhält es aufrecht“ (927), was für ihn der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies ist. „Und deshalb erklären sich jene, die mittels einer ungerechten Macht aus der Erde eine Handelsware gemacht haben, indem einigen alles, den anderen nichts gegeben wird, selbst zu tyrannischen und usurpierenden [(Anm. II)] Herren über Gottes Erde.“ (928) In „The new Law of Righteousness“ schrieben die Digger, „solange es solche Herrscher gibt, die das Land ihr Eigentum nennen [, …] werden die gemeinen Leute niemals ihre Freiheit haben, noch wird das Land von Unruhen, Unterdrückung und Klagen befreit sein.“ (929) Alle Kriege, alles Blutvergießen, alles Leid auf der Erde resultieren aus dem Sündenfall der Eigentumsbildung (930). Winstanley warf die Frage auf, „ob dieses ganze Elend nicht weichen wird, … wenn alle Zweige der Menschheit die Erde als den gemeinsamen Schatz aller ansehen?“ (931) Die Digger begrüßten die Revolution und forderten, sie weiter voran zu treiben. Sie wiesen das Parlament auf Widersprüche hin und forderten fragend, die Macht aller, „deren Ansprüche auf den König zurückgehen, alle Gutsherren und … die zehnten-nehmende Priestermacht beiseite“ (932) zu schieben. „Niemand soll mehr Land besitzen, als er selbst oder in Liebe gemeinsam mit anderen bearbeiten kann; und sie sollen gemeinsam ihr Brot essen … und weder Zins bezahlen noch nehmen.“ (933) (mehr…)

Staatsgewalt: Polizei, dein Freund und Schläger

Tatort, Morden im Norden, Die Rosenheim-Cops, Notruf Hafenkante, Soko Köln Potsdam München Stuttgart … Im Fernsehen und überhaupt in den Medien gibt es eine Flut von positiver Polizeidarstellung, alles andere seien halt Einzelfälle. Die Untertanen können also ruhig schlafen – sweet dreams.

Oder doch nicht?

Polizeigewalt
Feature „Täter in Uniform“ vom 18.04.2018, swr2:

Stimme:
Kamen Sie selbst schon mal mit illegaler Polizeigewalt in Berührung?
Polizist:
Ich hab das in jeder Station, die ich bei der Polizei durchlaufen hab, erlebt: Dass Leute verprügelt wurden! Bürger angegriffen wurden!…- Völlig Unverhältnismäßig!
Stimme:
Und wie oft haben Sie es erlebt?
Polizist:
Unzählige Male!

Stimme:
Clara hat Pfefferspray in den Augen, das brennt wie Feuer, sie kann nichts mehr sehen. Orientierungslos läuft sie los, versucht, aus dem Getümmel herauszukommen. Da nehmen Polizisten sie fest.
Clara:
Mir wurden dann die Arme verdreht, aufn Rücken,…- und ich hab halt immer weiter gerufen: Stopp! Keine Gewalt! Ja, ich hab furchtbare Angst gehabt! Es war halt vor allem n riesen Schock. Weil’s einfach so super brutal war, super schnell ging. Und vollkommen…Du konntest halt nichts machen! Ich hab mich total machtlos gefühlt.
Stimme:
Clara wird auf eine Polizeiwache gebracht. Dort wird sie einem Alkoholtest unterzogen, der ergibt, dass sie 0.0 Promille hat, – Clara mag keinen Alkohol. Sie trinkt nie welchen. Dann wird sie von fünf Polizisten, drei Männern und zwei Frauen, in eine Zelle gebracht und aufgefordert, sich nackt auszuziehen. Clara will das nicht. Sie hat Angst. Sie bittet darum, wenigstens die Männer hinaus zu schicken. Die verlassen jetzt zwar die Zelle, aber die Tür bleibt halb offen. Clara kann sehen wie sie da stehen und hineinschauen. Die zwei Polizistinnen, eine ältere und eine junge, fordern sie erneut auf, sich zu entkleiden.
Clara:
Und ich hab dann noch mal… und hab ihr in die Augen geguckt und hab gesagt: Bitte! Ich will das auf gar keinen Fall machen! …Und es gibt sicherlich auch andre Möglichkeiten, (…) – ich mach freiwillig nen… nen (…) Drogentest, wenn Sie Drogen suchen oder irgendwas, – Aber dann plözlich ist die andere, die ältere… direkt auf mich los gegangen,… und hat direkt los geschrien so: „Sie greift mich an! Warum greifst du mich an!“ (…) Und…dann kamen direkt auch die anderen…- also ich konnte auch gar nichts mehr erwidern, – dann kamen sofort die drei andern Männer rein,
Stimme:
Clara wird zu Boden gebracht.
Clara:
Dann saßen alle fünf irgendwie verteilt auf mir: auf meinen Armen, auf meinen Beinen, auf meinem Rücken, – ich hatte keine Möglichkeit mehr, mich zu bewegen, – ich lag dann aufm Boden, in diesem Raum, der komplett gefliest ist, (…) Dann hatt ich ja dieses umständliche Kleid und diese Leggins an, – die wurden mir einfach aufgerissen, (..), der BH, das war so n Bustier- also ohne Verschluss, wurde einfach abgerissen von meinem Körper,- (..) meine Unterhose wurde runter gerissen, (…) – und dann ähm…wurden meine Pobacken auseinander gedrückt, und irgendwelche Handschuhe, (..) ham mich dann halt an Po und Vagina…durchsucht.
Stimme:
Dann wird Clara nackt wie sie ist, aus der Zelle geschafft. Dabei wird ihr der Kopf auf Kniehöhe heruntergedrückt.
Clara:
Und…ähm…hab noch die ganze Zeit auf meine Unterhose in den Kniekehlen…geschaut, während ich versucht hab, zu laufen. Und dann wurd ich den Gang entlang ans andre Ende…ähm…vom Gang in ne andre Zelle verbracht. Auch an anderen Insassen vorbei,- also an anderen Polizisten. Ich hab dann da Uniformierte und Nicht-Uniformierte Füße gesehen, – an denen ich so vorbei…geführt wurde,… Nackt. Und heulend. Und…äh…vornübergebeugt.
Stimme:
Einen langen Gang entlang in eine Zelle. Sie wird hineingestoßen, landet auf den Knien. Hinter ihr fällt schwer die Tür ins Schloss. Clara möchte telefonieren. Jemandem sagen, wo sie ist.
Clara:
Und der Polizist an der Gegensprechanlage hat halt geantwortet: Sie können gar nicht telefonieren! Sie ham gar kein Telefon in der Zelle! Ich hatte wirklich das Gefühl so, ich verlier grad den Verstand! (…) Die ganze Welt ist auf den Kopf gestellt und… Und dann hab ich angefangen zu singen ganz laut. Alles, was mir eingefallen ist. Und mir richtig viel Mühe gegeben.

Mal ein wenig rätseln:

Welcher Hut passt auf keinen Kopf?
Welcher Ring ist nicht rund?
Welcher Fall tut gut?
Aus welchen Gläsern kann man nicht trinken?
Welche ist die gefährlichste Hose?
Welche Köpfe sind leer am meisten wert?
Es ist kein Baum und hat doch viele Blätter?
Welche Schellen klingeln nicht?
Welche Feige kann man nicht essen?
Welcher Wurm hat menschliche Gestalt?

Hambacher Forst: UND JETZT? – „Denn wir brauchen eben diese Selbstorganisierungserfahrung, um das Wissen zu sammeln und die Hoffnung wieder zu gewinnen, die es braucht, um die Welt auf den Kopf zu stellen und dann neu zu organisieren.“

Erfolg von wem?

Die Rodung ist gestoppt. Und nicht nur das: RWE kündigt an, im Tagebau Hambach weniger Kohle zu fördern, damit es möglich ist bis Ende 2019 weiter zu baggern, bevor der Wald erreicht ist. Es gibt also einen Etappensieg zu feiern. Aber wer hat hier eigentlich gesiegt?

Zeitungen beginnen zu schreiben, der Erfolg sei ausschließlich auf das juristische Vorgehen des BUND zurück zu führen. Viele tausende Menschen, wurden in den letzten Wochen vom Thema „Hambi“ bewegt, und haben in dem brutalen und verantwortungslosen Vorgehen der Landesregierung im Interesse von RWE ihren Glauben in Demokratie und Rechtsstaat bedroht gesehen. Jetzt holen einige vielleicht erleichtert Luft und denken: Wie gut, auf den Staat ist ja doch Verlass.

Dem will ich vehement widersprechen. Auf uns alle ist ja doch Verlass. Auf die Kraft und die Stärke von sozialen Bewegungen ist Verlass. Das Gerichtsurteil war in jedem Fall politisch und kann als Erfolg einer breiten, vielfältigen sozialen Bewegung gefeiert werden. Der Druck der von den entschlossenen Protesten ausgingen, der sich immer mehr zuspitzte anstatt abzuebben, wurde in diesem Gerichtsurteil beantwortet. Außerdem ist zu bedenken, dass der BUND vielleicht nie um den Hambi geklagt hätte, wenn Aktivist*innen nicht schon über Jahre Aufmerksamkeit für diesen Kampf generiert hätten. Und es gilt auch nicht zu vergessen, dass die Tatsache, dass es Gesetze gibt, um die Natur zu schützen, eine Errungenschaft von sozialer Bewegung ist. Eine Errungenschaft von Protest.

Es ist also ein Erfolg von vielen, von denen die meisten nicht Mitglieder in großen Organisationen sind. Ja, es ist auch ein Erfolg von Baumbesetzer*innen, die seit Jahren ihre Körper der Rodungsmaschinerie entgegen stellen. Das ist wichtig zu sagen, auch wenn die schon ziemlich viel Aufmerksamkeit in den letzten Wochen bekommen haben. Zu hoffen bleibt, dass nicht nur die atemberaubenden Bilder von Menschen auf Bäumen in Erinnerung bleiben, sondern auch die emanzipatorischen Inhalte, die diese Menschen verkörpern.

Aber es ist auch ein Erfolg von vielen anderen. Von Menschen, die vor Jahren die einzigen im linken Spektrum waren, die gesagt haben, dass Braunkohle ein Problem ist. Von Menschen, die in langwieriger Arbeit eine Anti- Braunkohle-Bewegung aufgebaut haben, und immer mehr Menschen und schließlich auch große Organisationen und Parteien mit ins Boot geholt haben. Und es ist ein Erfolg von all den Menschen, die im Hintergrund die Arbeit gemacht haben, die es braucht, damit Aktionen, Treffen und Demos überhaupt stattfinden können: Von den Küchenkollektiven, den Ermittlungsausschüssen, der Unterstützungsgruppen für Menschen in Haft, den Out of Action Gruppen, den Menschen die Kinder betreut haben, den Menschen die einfach da waren und offene Arme und Ohren hatten, wenn mal alles zu viel wurde.
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Mal ein bisschen Poesie: Poesiealbum

Einträge aus der Grundschulzeit:

Nenne Dich nicht arm, weil Deine Träume nicht in Erfüllung gehen, wirklich arm ist der, der nie geträumt hat.

Bleibe immer lustig, immer froh! So wie die Maus im Haferstroh!

Hambi bleibt! – Pressemitteilungen vom 3. und 5. Oktober

- Pressemitteilung 03.10.2018 — Das -vorerst- Ende der Räumung +++ im Hambi werden zur Feier des Tages Zäune errichtet +++ Razzia des Wiesencamps

https://hambacherforst.org/blog/2018/10/03/pressemitteilung-03-10-2018/

Pressestatement 5. Oktober 2018

Heute hat das OVG im Zuge eines Eilantrags des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) stattgegeben, die Rodung vorerst auszusetzen…

https://hambacherforst.org/blog/2018/10/05/pressestatement-5-oktober-2018/

Link zum Urteil des Oberverwaltunggerichts Münster
http://www.ovg.nrw.de/behoerde/presse/pressemitteilungen/46_181005/index.php

aus dem Nachrichten-Ticker am 5. Oktober

13:33 neues Tripod im Osten wird geräumt, Aktivisti in Handschellen. Menschen von Ostseite an Betreten des Waldes gehindert, Westseite ohne Polizei. Aktiv. richtung securoad abgeführt. Presse da hin!

11:30 Trotz Rodungsstopp erklärt RWE den Osten des Waldes zum Werksgelände und arbeitet an Absperrungen.

11:10 Neben einem neu errichteten Schutzwall geht der RWE-Werksschutz aggressiv gegen eine Demonstration vor.

https://hambacherforst.org/blog/2018/10/02/ticker-ab-2-oktober/


Hambacher Forst: Protestwochenende

Kommt alle am Wochenende (6. und 7. Oktober) in den Wald und werdet aktiv gegen die Zerstörung der Umwelt, in Verantwortung des Großkonzerns RWE, den Profiteur*innen und staatlichen und kommunalen Amtshilfe Leistenden.

6. Oktober *Großdemonstration “Stop Kohle”* ab 10.30 Uhr

S-Bahnhof Buir, An der Brennerei 2, Kerpen

7. Oktober *Waldspaziergang*

Treffpunkt: An der Einfahrt zum Kieswerk Morschenich