Widerstand: Gelbe Westen


Als sich am Samstag in Frankreich erneut Hunderttausende an den Protesten der „gelben Westen“ gegen Präsident Emmanuel Macron beteiligten, ging die Bereitschaftspolizei mit brutaler Gewalt gegen eine Demonstration auf den Champs-Élysées in Paris vor. Laut Angaben des Innenministeriums nahmen 106.000 Menschen an 1.600 Protestveranstaltungen in ganz Frankreich teil, alleine auf den Champs-Élysées marschierten 8.000 Demonstranten. …

Reporter der WSWS sprachen mit einer Gruppe von Arbeitern aus den Pariser Vororten auf der Demonstration. Sie verurteilten das Vorgehen der Polizei verurteilten. Eine Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst erklärte: „Dass die Regierung mit Gewalt reagiert, ist nicht gut. Heute morgen sind sie auf uns losgegangen. Ich bin Mutter, ich bin ein friedlicher Mensch. Sie haben Tränengas gegen uns eingesetzt. Wir kamen auf dem Platz an, dann kamen sie und gingen mit Knüppeln auf uns los. Wir hatten Tränengas in den Augen. Niemand hat irgendetwas beschädigt, dennoch haben sie ihre Wasserwerfer eingesetzt. Das hätte ich nicht erwartet, sie haben uns mit solcher Verachtung behandelt.“

Eine andere Arbeiterin sagte: „Das Geld regiert, Macron ist ein Banker. … Er zerstört alles. Es hat schon früher angefangen, aber jetzt haben wir die Grenze erreicht. Ich arbeite in einem Krankenhaus und sehe, dass ständig Krankenhäuser geschlossen werden.“ Zu Macrons geplanten Rentenkürzungen sagte sie: „Eine Rente ist kein Privileg, sondern der Lohn lebenslanger Arbeit. Also müssen Rentner in Würde leben, und ich glaube nicht, dass sie das heute tun können. Das muss alles aufhören … es gibt zu viel soziale Ungleichheit.“

Ein älterer Arbeiter sagte: „Es geht immer weiter und noch weiter zurück. Unsere Eltern haben für soziale Rechte gekämpft, wir verlieren alles, was sie für uns gewonnen haben. Ich arbeite für ein Unternehmen, in dem sie jetzt nur noch Leiharbeiter einstellen. Eine falsche Bewegung und man wird entlassen. Die Arbeiter werden nicht mehr respektiert, man behandelt uns wie Objekte. Es war immer klar, dass es eines Tages zur Explosion kommen wird, und jetzt geht es los.“

Weiter erklärte er: „Wir sollten den Ministern 1.200 Euro geben und sehen, ob sie davon einen Monat lang leben können. Unsere Kinder kämpfen, sie leben mit 30 noch bei den Eltern, weil sie keine Wohnungen finden. In den meisten Berufen bekommen Einsteiger nur den Mindestlohn. Gott sei Dank sind die Alten noch da, um ihnen zu helfen, alleine würden sie es nicht schaffen. Wir haben es gründlich satt.“
Auf dem Schild steht: „Alle zehn Minuten stirbt ein Kind im Jemen. Die französische Regierung verkauft ihren Mördern Waffen. Unsere Führer haben Blut an den Händen.“

Didier, von Beruf Steinmetz, erklärte gegenüber der WSWS: „Macron muss zurücktreten und verschwinden. Wir haben ihn nicht gewählt, so einfach ist das. Wir wollen den Kerl nicht mehr, und er muss weg. Er ist für die Reichen da, nicht für die Arbeiterklasse. … Ich wurde vor drei Monaten am Rücken operiert, ich hatte einen Herzinfarkt, weil ich mein ganzes Leben lang gearbeitet habe. Er sitzt bloß da und kassiert Geld, während wir kämpfen. Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer; wir gehen zurück zu einer Zeit, in der wir alle Leibeigene waren.“

Didier verurteilte auch Macrons Pläne für eine europäische Armee: „Diese Kriege dienen keinem nützlichen Zweck, das tun sie nie. Genau wie der Vietnamkrieg oder der Algerienkrieg. Es sind dumme Kriege von Leuten, die glauben, sie wüssten alles und die immer dieselben Menschen in den Tod schicken: uns. Es ist immer dasselbe. Was hat der Erste Weltkrieg gebracht? Nichts.“

Der Ladenbesitzer Daniel erklärte: „Ich esse Nudeln, mehr Nudeln, und dann Kartoffeln. Ich habe es satt, immer Kartoffeln zu essen. … Die Präsidenten zuvor haben schon viel Schaden angerichtet, aber er [Macron] ist schlimmer als die anderen. Die Bevölkerung ist auf der Straße, er wird uns zuhören müssen, sonst spuckt er wirklich auf uns, als wären wir Dreck. Ganz Frankreich wird explodieren, und er weiß es. … Ich bekomme monatlich nur 480 Euro Rente, also müssen sie aufhören, uns Dinge wegzunehmen.“

Die zahlreichen Forderungen sind ein Ausdruck der Sorgen der Menschen, die nicht zu den obersten zehn Prozent der Gesellschaft gehören. Die herrschenden Eliten in Frankreich und der Welt reagieren darauf mit Angst. Die Behauptung, es handele sich bei den Protesten nur um eine Steuerrevolte, die weniger Staat fordere, ist eine Lüge. Tatsächlich äußert sich in der Kritik an sozialer Ungleichheit und Krieg der Widerstand gegen die Politik der EU geprägt von Spardiktaten und Militarismus.

aus: https://www.wsws.org/de/articles/2018/11/27/fran-n27.html