Verwertbarkeit von Kindern: Digital-Idioten der Zukunft

Fünf Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren in die digitale Ausstattung der Schulen investiert werden. … Es ist vor allem ein guter Tag für die Firmen, die die Geräte herstellen. Es ist ein Fünf-Milliarden-Geschenk für die Industrie. Vorläufig, denn es werden natürlich weitere Milliarden folgen, denn die Geräte veralten, müssen gewartet und erneuert werden. … Der Grundfehler besteht darin, dass die Schulen als Zulieferbetriebe für die Industrie begriffen und konzipiert werden. Wenn das ihre Aufgabe sein soll, ist es nur konsequent, den Digitalpakt zu schließen und der Industrie die Digital-Idioten anzuliefern, die sie benötigt. …

Wollen wir, dass Schulen Kinder und Jugendliche zu verwert- und brauchbaren Arbeitskräften machen oder sollen sie sich der Entwicklung der ganzen Bandbreite ihrer Fähigkeiten widmen? Bildung war immer mehr und etwas anderes als Ausbildung. Wahrhafte Bildung hat stets einen subversiven Anteil und birgt immer Gefahren für die jeweilige Form der Herrschaft. Man lernt, die herrschende Gestalt der Wirklichkeit an ihren besseren Möglichkeiten zu messen und partikulare von allgemeinen Interessen zu unterscheiden. Und die Ausbildung dieser Fähigkeit ist für jene gefährlich, die ihre partikularen Interessen als allgemeine ausgeben.

Wir brauchen keinen „Digitalpakt für Schulen“, sondern eine gesellschaftlichen Solidarpakt, der Schulen und Schüler vor der Zurichtung durch die Digitalisierung schützt. Das ganze digitale Geraffel ist ja ohnehin im Übermaß vorhanden und nimmt die Schüler und Schülerinnen von morgens bis abends in Beschlag. Da muss die Schule nicht auch noch einsteigen. Das Geld, dass für den Digitalpakt vorgesehen ist, sollte stattdessen für das Anlegen von Gärten, die Einrichtung von Werkstätten, in denen handwerklich richtige Dinge hergestellt werden können, für Theater-AGs und Musik- und Literaturprojekte ausgegeben werden. Wir sollten die Potenziale der natürlichen Intelligenz entwickeln, bevor wir auf die künstliche setzen. Die Köpfe der Kinder müssen aus der digitalen Begradigungsmaschine herausgezogen und freigemacht werden für menschliche Entwicklungs- und Lernprozesse. Ein Vormittag im Wald ist unermesslich wertvoller als einer vor Bildschirmen. In Anlehnung an Herbert Achternbusch, der dieser Tage 80 Jahr alt geworden ist, möchte ich zum Schluss sagen: Wenn wir die Digitalingenieure von den Straßenbaustellen in den Köpfen vertrieben haben, wenn die Autos verrostet und die Wege wieder krumm sind, dann werden eines Tages wieder ein paar richtige Menschen herumlaufen und nicht diese Digitalzombies und kybernetischen Monster.

aus: https://hinter-den-schlagzeilen.de/digital-idiots-zur-kritik-des-digitalpakts-fuer-schulen