Maskulinität der Gewalt: Linke Irrwege

Heulender Wolf: über hohle Einigkeit und die linke Liebe zu verletzten Männern


In ihrer Bezugnahme auf die Geschichte in “Unmaking War Remaking Men“ schreibt Kathleen Barry zu der Entscheidung des Mannes, er habe „die Anforderungen der Männlichkeit über die seiner Menschlichkeit gestellt. Es ist eine Entscheidung, die dazu führte, dass er andere tötete und die ihn viele Jahre lang verfolgte.“

Barry schreibt, dass das „Schwelende“ in Männern, die gelernt haben, dass ihre Leben entbehrlich sind, die Quelle der Wut wird, die das Militär „anzapft“, um sie für den Kampf vorzubreiten. Das Militär „zählt auf die Feigheit“, sagt sie, die mit dieser Wut verbunden ist, die die Maskulinität besiegelt. Die Armee setzt Demütigungen ein, um die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse ihrer Auszubildenden nach Nähe und Austausch zu verwandeln, um „in ihnen das Verlangen hervorzubringen, Teil einer gemeinsamen Aufgabe zu töten zu werden.“ Jene, die sich weigern, zu schießen, wissen, dass sie ihren Kameraden eine Last aufbürden, sagt Barry. Die Belohnung für den Verlust der Seele, der mit der Zerstörung kommt, ist Maskulinität: sie werden one of the boys, einer von den Jungs. …

Sie fügt hinzu: „Wenn Männer unterlegen gemacht werden, wird ihr Status auf den von Frauen reduziert. Für die meisten Männer ist das unerträglich. Diese Männer wiederum setzen mit Gewalt den Status von Frauen weiter herab.“

Barry beschreibt ein Muster, dass die gesamte männliche Sozialisation betrifft, nicht nur die Männer im Militär oder unter Besatzung. Militarismus hat Auswirkungen auf die Sozialisation von Jungen durch Spielzeuge, Spiele und Filme – aber die Dynamik der auf Grenzverletzungen beruhenden Bruderschaft ist nicht auf das Militär beschränkt. Von Religion bis Rugby bis zu Widerstandsbewegungen bis zu Arbeit, dem Haushalt und dem Fernsehen regiert diese paternalistische Maskulinität. Dass wir das ignorieren, und die Maskulinität der Gewalt ignorieren – weil es Männern unbequem ist – ist zu einem großen Teil die Ursache sowohl für das Chaos als auch die Trägheit linker Politik. …

Die Linke schaut sich in der Regel staatliche, bandenbezogene oder terroristische Gewalt nicht aus irgendeinem grundlegenden weiblichen Standpunkt an. Der Labour-Politiker Rob McCann leitet White Ribbon, [eine australische Initiative, Anm. d. Übersetz.] die männliche Gewalt aus dem Blickwinkel von schroffem männlichen Stolz betrachtet. Wir sprechen sogar von „Kinderarmut“, und verdecken damit die Geschlechterpolitik der Armut und ökonomischen Gewalt gegen Frauen. Die Ansichten der Linken auch zu Gangs und zu Terrorismus beruhen oft auf der Empathie mit den Lycaons, deren Moral vom Staat untergraben wurde. Viele Gangs nennen sich tatsächlich entsprechend diesem Status der Ablehnung durch das Establishment: Die Outcasts [die Außenseiter/Vogelfreien] oder der Mongrel Mob [das Bastard-Gesindel] zum Beispiel.
In ihrem Buch “Demon Lover“ beleuchtet Robin Morgen den Zusammenhang zwischen Terrorismus und dem Staat als brüderlich: Was passiert, wenn wir erkennen, dass Terrorismus weit davon entfernt ist, eine Gefahr für den Staat zu sein, sondern vielmehr das Mittel, nach dem Männer im Patriarchat sich untereinander als erfolgstüchtig bewerten? Terrorismus stützt den Staat. Wenn Terroristen scheitern, dann ist der gegenwärtige Staat umso stärker, da es ihm gelungen ist, sie abzuwehren. Wenn die Terroristen Erfolg haben, dann werden aus den heutigen Terroristen die Staatsmänner von morgen (die eifrig den Terrorismus anprangern). …

„Für viele Frauen“, so Gena Corea im Jahr 1979, „ist es unerheblich, wer die zahlreichen Kriege um Macht, die über ihren Köpfen ausgetragen werden, gewinnt … Männer werden Frauen so oder so schlagen.“

No Pride in Prisons, eigentlich Petty and Vindictive, [ also „kleinlich und rachsüchtig“ An. der Übersetz.], ist eine Gruppe von AktivistInnen, die sich gerne mit den Lycaons verbrüdert. Sie sprechen sich für die Abschaffung der Gefängnisse und die Abschaffung der Sexualstraftatendatenbank aus, aber eine Analyse männlicher Gewalt oder ein Plan, wie ihr begegnet werden kann, ist nicht erkennbar. Die Gruppe setzt sich erheblich mehr dafür ein, dass die 19 männlichen Inhaftierten in Neuseeland, die sich als „trans“ identifizieren, in die bereits überbelegten Frauengefängnisse verlegt werden, als dass sie jemals die Not der weiblichen, indigenen Inhaftierten thematisiert, bei der es sich um die am schnellsten wachsende Gruppe in Gefängnissen handelt. Aus Sicht dieser AktivistInnen sind männliche Inhaftierte, die sich als Frauen identifizieren, die gefährdesten …. weiblichen Inhaftierten. …

Als Frauen Feminismus und die Māori Nationalismus in die Gewerkschaften einbrachten, warf man ihnen vor „auf spalterische separatistische Taktiken zurückzugreifen“. Das ist ironisch, wenn man bedenkt, dass einer Politik „von unten“ indigene und feministische Analysen zugrunde liegen sollten, da diese beiden Gruppen im Kapitalismus am meisten entfremdet sind. Dennoch mussten und müssen sich Frauen stark auf der Grundlage in die Gewerkschaften einbringen, dass die Arbeitersolidarität von allem bedroht wird, das nicht weiß und nicht männlich ist. Die Gewerkschaftskämpfe stellen die Männer der Arbeiterklasse auf die richtige Seite der Geschichte, während Māori und Frauen dieses Ideal durch das Hinterfragen der weißen Gesellschaft und der Maskulinität bedrohten. Sobald Frauen und Māori in der Gewerkschaftsarbeit ein Vehikel für die Politisierung fanden, war die Handbremse angezogen.

Die Gewerkschaften (wie auch Bernie Sanders) sind bereit Equal Pay, also die Gleichheit der Löhne, zu diskutieren, was der Grund sein mag, warum „Feministinnen sich weigern, sich der Tatsache zu stellen, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit unmöglich ist, solange Männer über Frauen herrschen“, wie Andrea Dworkin schreibt. Es handelt sich um eine Alibipolitik, wenn sie nicht in eine größere feministische Analyse eingebettet ist, und ein Pseudostatement, das nichts voranbringen soll. „Rechte Frauen haben sich geweigert, das zu vergessen“, sagt Dworkin. Was erkannt werden muss, ist dass „die Sex-Arbeit der Frauen aufrecht erhalten werden muss, und systematisch niedrige Löhne für sex-neutrale Arbeit zwingen Frauen effektiv dazu, Sex zu verkaufen, um zu überleben.“ …

Wenn eine soziale Veränderung wirklich bedeutet, dass alle an einem Strang ziehen, dann können Männer einfach nicht vor der Aufgabe bewahrt werden, sich der Maskulinität und ihren Vollstreckern zu stellen. …

Die Queerpolitik ist in der Affinität mit den Lycaons geformt. Daher setzt sich die LGBT Bewegung für die Ehe ein, obwohl diese Institution immer schon von lesbischen Feministinnen als sowohl homophob als auch sexistisch angegriffen wurde. Sie bewirbt Transgenderpolitik, und ignoriert kritische Stimmen, die diese Politik sexistisch und eugenisch gegenüber Schwulen und Lesben nennt. Sie bewirbt das Abbinden von Brüsten, obwohl Feministinnen darin eine tolerierte Verstümmelung weiblicher Körper erkennen. In letzter Zeit scheint die Linke in ihren verwirrten Reaktionen auf Präsident Trumps Ankündigung, dass sich Transleute nicht mehr zum Militärdienst melden dürfen, ihre Position zum Militarismus aufgeweicht zu haben. …

Die Linke unterstützt die Transideologie, obwohl diese die Geschlechterstereotype verstärkt, unter denen homosexuelle Männer leiden. Sie bemüht sich nicht um eine Kritik an der Kirche, wenn homosexuelle Männer dort heiraten wollen, aber sie greift sie vehement an, sobald irgendjemand es vorschlägt, den Zugang von Männern zu Frauen in der Prostitution einzuschränken. „Christlich-bigott!“ ist eine übliche Anschuldigung von Linken an AbolitionistInnen um die Rechte der Sexkäufer zu verteidigen, die keine Missbraucher, sondern nur „traurige und einsame“ Männer, die menschliche Nähe brauchen. …

So werden der Islam, Prostitution, die Ehe und die Transideologie heftigst als Ausdruck von Freiheiten verteidigt und dies aus widersprüchlichen Gründen. Dies ergibt keine Sinn. Wir müssen hier fragen, wie Männer diese Institutionen nutzen, und sie auf Kosten von Frauen nutzen. …

Der Einstieg in die Sexindustrie wurde allgemein als „Entscheidung“ einer Frau angesehen, um einsame Lycaon zu bedienen. Sich dem Militär anzuschließen war eine andere Angelegenheit, weil das Militär imperialistisch und zerstörerisch ist. Jetzt, seit Trumps Statement, dass Tansgender Menschen sich nicht mehr anschließen dürfen – jetzt ist plötzlich auch das Militär eine „Entscheidung“. Das Militär ist der Wohlfahrtstaat der Armen, heißt es. Nur so können sie Zugang zu Gesundheitsvorsorge und Bildung bekommen.

Endlich sehen wir also die gleichen Argumente, die bei der patriarchalen Institution des Sexgewerbes angebracht werden, auch bei der patriarchalen Institution der US Armee. Und was brauchte es, um aus Militarismus eine Angelegenheit der „Entscheidung“ zu machen? Die Linke, die es nötig hat, anderweitig gedemütigten Männern das Gesicht zu wahren. Diese Loyalität erklärt all diese Widersprüchlichkeiten und blinden Flecken. Sie ist auch der Grund, aus dem heraus ich von Liberalen [Linken im US und weiterem englischen Sprachgebrauch, Anm, d. Übersetz.] immer mehr aufgefordert werde, mich in Pädophile hineinzuversetzen. …

Lasst uns eine Politik entwickeln, die die Existenz von Frauen voll anerkennt, die einen weiblichen Blickwinkel hat – und die daher tatsächlich Sinn gibt, und die uns eine Chance auf eine echte Veränderung und ein Ende der Gewalt gibt.
Dann können wir von Einheit und Zusammenschluss reden.

aus: https://diestoerenfriedas.de/heulender-wolf-ueber-hohle-einigkeit/