Buch: Amparo Poch y Gascón. Biographie und Erzählungen aus der spanischen Revolution

Klappentext:
Leben und Werk der aus Zaragoza stammenden Amparo Poch y Gascón (1902-1968) sind ein eindrückliches Beispiel dafür, wie spannungsreich das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in der anarchistischen Bewegung Spaniens war. Amparo Poch war eine der drei Gründerinnen der anarchistischen Frauenorganisation Mujeres Libres während der spanischen Revolution und mit prägend für deren Politik. Sie kämpfte für die freie Liebe und gleichen Zugang für Frauen zum Arbeitsprozess. Als Ärztin leitete sie ein Feldlazarett vor Madrid, weigerte sich aber gleichzeitig, Gewalt in einer extrem gewaltätigen Situation zu legitimieren. Als Mitarbeiterin von Federica Montseny im Gesundheitsministerium organisierte sie die massenhafte Evakuierung von Kindern ins Ausland.
Die anarchistische Literatur vollzog in der spanischen Revolution einen „nationalistischen Schwenk“, den Amparo Poch nicht mitmachte. Sie schrieb weiterhin in ihrem herrschafts- und patriarchatskritischen sowie lebensbejahrenden Stil. Davon zeugen ihre ironisch-satirischen Erzählungen, die unter dem Titel Sanatorium des Optimismus in der anarchafeministischen Zeitschrift Mujeres Libres erschienen und im Anhang dieser Biographie erstmals in deutscher Übersetzung vorliegen.

„Das ursprüngliche Ziel von Mujeres Libres (bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs) war es, einerseits Frauen für die anarchistische Bewegung zu gewinnen, und andererseits eine Art ‚lesbare Schule‘ zu sein, in der sich Frauen Wissen über so verschiedene Themen wie Kindeserziehung, Medizin, Mode, Film, Literatur, Politik, revolutionäre Theorie, Emanzipation oder wirtschaftliche Fragen aneignen konnten. Die Mujeres Libres hatten für diese Art des Politikmachens zwei treffende Begriffe geprägt: ‚captación‘, also das Werben neuer Mitglieder für die anarchistische Bewegung, und ‚capacitación‘, zu deutsch: ‚Befähigung‘, also die Selbstermächtigung von Frauen durch das Zur-Verfügung-stellen von Informationen und Bildungsmöglichkeiten: ‚Wir wollten die Welt für Frauen öffnen‘, erzählte eine Aktivistin: ‚Wir wollten es Frauen erlauben, sich zu entwickeln, in welcher Weise auch immer sie es wünschten…‘. Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs blieben diese Ziele zwar grundsätzlich gleich, die Positionen innerhalb der Zeitschrift radikalisierten sich allerdings deutlich und die Notwendigkeiten des Kriegs und der Revolution rückten in den Vordergrund.“ S. 88